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Approbationsausbildung zum Psychotherapeuten im Vertiefungsgebiet Systemische Therapie

Der Gesetzgeber hat im Psychotherapeutengesetz geregelt, in welchen Psychotherapie-Verfahren eine vertiefte Ausbildung zum Psychotherapeuten durchgeführt werden kann. Mit der Bestätigung als wissenschaftlich anerkanntes Verfahren gehört die Systemische Therapie nun zu den fünf Verfahren in Deutschland, in denen eine Ausbildung zum Psychotherapeuten absolviert werden kann. Die weiteren vier Verfahren sind die Verhaltenstherapie, die psychodynamischen Verfahren psychoanalytische Psychotherapie und tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie und die Gesprächspsychotherapie.

Institute, die eine Approbationsausbildung anbieten

Schnellübersicht: An diesen Instituten können Sie eine Appobationsausbildung PP/KJP im Vertiefungsgebiet Systemische Therapie absolvieren

Echte Pioniere: Die ersten systemischen Institute bieten eine Approbationsausbildung an

Inzwischen haben mehrere Ausbildungsinstitute die Zulassung als staatlich anerkanntes Institut zur Ausbildung von Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten (KJP) und/oder Psychologischen Psychotherapeuten (PP) im Vertiefungsgebiet Systemische Therapie erhalten.

Als erstes Systemisches Institut in Deutschland bietet das ifs Essen seit einigen Jahren eine Ausbildung zum KJP an. Hier gibt es bereits die ersten Neu-Approbierten.

Bei der GST in Berlin laufen Ausbildungskurse zum KJP und als erstes Institut in Deutschland auch zum PP. Mit Christoph Klein hat der erste Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut im Vertiefungsfach Systemische Therapie Anfang 2016 seine Ausbildung bei der GST abgeschlossen und seine Approbation erhalten (zur Meldung).

Im Oktober 2017 starten die ersten Ausbildungskurse zum PP und zum KJP bei der dialog mX gGmbH in Marburg.

Einen Monat später, am 17. November 2017 starten bei der ISTB – Therapie und Organisationsentwicklung GmbH in Berlin die ersten PP und KJP Kurse.

Hier können auch bereits Approbierte eine Weiterbildung nach der Weiterbildungsordnung der Hessischen Psychotherapeutenkammer absolvieren und dann den Kammertitel „Systemische Therapie“ als Zusatzbezeichnung führen.

Weitere Institute haben bereits eine Zulassung als systemisches Approbationsinstitut, sind aber noch an der Vorbereitung der Kurse. Hier lohnt es, sich von Zeit zu Zeit über den aktuellen Stand zu informieren:

IF Weinheim

hsi Heidelberg

Center für lebenslanges Lernen an der Uni Oldenburg

Rhein-Eifel-Institut in Andernach

APP in Köln

Was spricht für eine Approbationsausbildung in Systemischer Therapie?

Vielleicht fragen Sie sich, ob eine Approbationsausbildung in Systemischer Therapie für Sie in Frage kommen würde und zögern, weil Systemische Therapie derzeit noch nicht von den gesetzlichen Krankenkassen im ambulanten Setting bezahlt wird.

Es gibt aber gute Gründe für eine Approbationsausbildung in Systemischer Therapie, die wir für Sie zusammengefasst haben.

 

Welche Möglichkeiten es nach der Approbation für Psychotherapeut_innen gibt, darüber wird meist wenig gesprochen. Viele frisch Approbierte glauben, sie hätten mit der Approbation bereits den Kassensitz mit erworben. Laut Zahlen der Kassenärztlichen Bundesvereinigung und der Bundespsychotherapeutenkammer arbeiten aber über 40% (in einigen Bundesländern über 50%) der Psychotherapeut_innen nicht in eigener Kassenpraxis, sondern in Kliniken, Beratungsstellen und anderen Institutionen. Für diese Arbeitsgebiete ist eine sozialrechtliche Anerkennung („Systemische Therapie als Kassenleistung“) Systemischer Therapie nicht nötig, um als Systemische_r Psychotherapeut_in zu arbeiten.

Welche Voraussetzungen braucht es, damit ich eine Approbationsausbildung im Vertiefungsgebiet Systemische Therapie machen kann?

Die Voraussetzungen, um eine Approbationsausbildung zum_r Psychotherapeuten_in zu machen, sind gesetzlich für alle wissenschaftlich anerkannten Verfahren gleichermaßen geregelt. Als Voraussetzungen für die Ausbildung zum_r Psychologischen Psychotherapeuten_in ist ein Diplom oder Master in Psychologie nötig, für die Ausbildung zum_r Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten_in ein Diplom oder Master in Psychologie oder Pädagogik oder Sozialpädagogik.
Da das Psychotherapeutengesetz, das die Zugänge regelt, noch vor der Umstellung auf Bachelor/Master-Abschlüsse geschrieben wurde, bleibt es den jeweiligen Landesämtern vorbehalten, ob im Bereich der Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie als Zugang ein Bachelor- oder Masterabschluss nötig ist. In den allermeisten Fällen wird aber ein Masterabschluss gefordert.

Wie lange dauert eine Approbationsausbildung in Systemischer Therapie?

Die Ausbildung muss laut Psychotherapeutengesetz mindestens drei Jahre dauern. Um die mindestens 4200 Stunden Ausbildung zu absolvieren, kann man aber eher mit einer mittleren Dauer von fünf Jahren rechnen.

Woraus setzt sich die Approbationsausbildung in Systemischer Therapie zusammen?

 

Wie in den anderen Verfahren setzt sich die Ausbildung folgendermaßen zusammen:

  • 600 Stunden Theorie
  • 1200 Stunden praktische Tätigkeit 1 in einer psychiatrischen Klinik
  • 600 Stunden praktische Tätigkeit 2 in einer psychosomatischen Klinik oder psychotherapeutischen Praxis
  • 120 Stunden Selbsterfahrung
  • 600 Stunden Praktische Ausbildung Patientenbehandlung in einer Instituts-Ambulanz oder Lehrpraxis
  • 150 Stunden Supervision
  • mindestens 930 Stunden „Freie Spitze“: die Inhalte werden vom Ausbildungsinstitut festgelegt

Wird es Übergangsregelungen geben, mit denen sich systemische Therapeut_innen für eine Approbation zum_r Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten_in bzw. Psychologischen Psychotherapeuten_in nachqualifizieren lassen können?

Es wird keine Übergangsregelungen geben, in denen nur noch einige wenige Stunden nachgemacht werden müssten. Das hängt damit zusammen, dass sich 1999, als die Übergangsregeln für den Erhalt der Approbation geschaffen wurden, ein Bundesgesetz neu installiert wurde. Mit der möglichen Kassenanerkennung Systemischer Therapie ändert sich hingegen kein Gesetz, sondern lediglich eine Bestimmung im SGB V.

SG und DGSF setzen sich aber bereits dafür ein, dass Teile der Systemischen Weiterbildung für eine Approbationsausbildung anerkannt werden. Die Entscheidung darüber fällt das Landesprüfungsamt des Bundeslandes in dem die Approbationsausbildung gemacht wird.

Für eine Approbation im Vertiefungsgebiet Systemische Therapie muss also auf jeden Fall eine eigene Approbationsausbildung absolviert werden. Das ist eine bundesgesetzliche Bestimmung und liegt nicht im Einflussbereich der systemischen Institute oder Dachverbände.

Falls in Zukunft Psychotherapeut_innen im Vertiefungsgebiet Systemische Therapie einen Kassensitz erhalten und mit den gesetzlichen Krankenversicherungen abrechnen können, wird es dann nicht eine große Konkurrenz zu den systemischen Therapeut_innen geben, die über die Heilpraktiker-Erlaubnis Systemische Therapie anbieten, die die Klient_innen selbst bezahlen?

Im Moment laufen deutschlandweit die allerersten Ausbildungskurse an, die zur Approbation im Vertiefungsgebiet Systemische Therapie führen. Bis eine flächendeckende Versorgung mit systemischen Kassentherapeut_innen gewährleistet sein wird, werden mehrere Jahrzehnte vergehen.
Es wird weiterhin in vielen Bereichen des Gesundheits- und Sozialwesen einen hohen Bedarf an systemischen Therapeut_innen und Berater_innen ohne Approbation geben.

Wird es weiterhin Weiterbildungen in Systemischer Therapie und Beratung geben, die nicht zur Approbation führen?

Auf jeden Fall. Es wird weiterhin einen großen Bedarf an systemischen Therapeut_innen und Berater_innen ohne Approbation im Gesundheits- und Sozialwesen geben.

Ändern sich für die nicht zur Approbation führenden Weiterbildungen die Zugangsvoraussetzungen?

Nein, sie bleiben unverändert. Voraussetzung ist der Abschluss in einem humanwissenschaftlichen Studium.

Letzte Aktualisierung: 12.09.2017