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Approbationsausbildung zum Psychotherapeuten im Vertiefungsgebiet Systemische Therapie

Der Gesetzgeber hat im Psychotherapeutengesetz geregelt, in welchen Psychotherapie-Verfahren eine vertiefte Ausbildung zum Psychotherapeuten durchgeführt werden kann. Mit der Bestätigung als wissenschaftlich anerkanntes Verfahren gehört die Systemische Therapie nun zu den vier Verfahren in Deutschland, in denen eine Ausbildung zum Psychotherapeuten absolviert werden kann. Die weiteren drei Verfahren sind die Verhaltenstherapie, die psychodynamischen Verfahren (psychoanalytische Psychotherapie und tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie) und die Gesprächspsychotherapie.

Institute, die eine Approbationsausbildung anbieten

Inzwischen haben mehrere Ausbildungsinstitute die Zulassung als staatlich anerkanntes Institut zur Ausbildung von Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten (KJP) und/oder Psychologischen Psychotherapeuten (PP) im Vertiefungsgebiet Systemische Therapie erhalten.

Als erstes Systemisches Institut in Deutschland bietet das ifs Essen seit einigen Jahren eine Ausbildung zum KJP an. Das IF Weinheim hat die Zulassung für die PP- und KJP-Ausbildung. Die dialog mX gGmbH in Marburg bietet PP- und KJP-Ausbildungen sowie Weiterbildungen für die Zusatzbezeichnung Systemische Therapie für Approbierte an.

Bei der GST in Berlin laufen Ausbildungskurse zum KJP (Ausbildung zur Behandlung von Kindern und Jugendlichen) und als erstes Institut in Deutschland auch zum PP (Ausbildung zur Behandlung von Erwachsenen). Mit Christoph Klein hat der erste Kinder- und Jugendlichen-psychotherapeut im Vertiefungsfach Systemische Therapie Anfang 2016 seine Ausbildung bei der GST abgeschlossen und seine Approbation erhalten (zur Meldung). Weitere Institute (etwa das hsi Heidelberg, das Center für lebenslanges Lernen an der Uni Oldenburg, das Rhein-Eifel-Institut sowie die APP in Köln) haben eine Zulassung zur Ausbildung Systemischer Psychotherapeut_innen.

Nun bietet ein weiteres Institut die systemischen Ausbildungen zum Psychologischen und zum Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten in Berlin an: Die ISTB – Therapie und Organisationsentwicklung GmbH startet am 23. Juni 2017 ihre Kurse.

Was spricht für eine Approbationsausbildung in Systemischer Therapie?

Vielleicht fragen Sie sich, ob eine Approbationsausbildung in Systemischer Therapie für Sie in Frage kommen würde und zögern, weil Systemische Therapie derzeit noch nicht von den gesetzlichen Krankenkassen im ambulanten Setting bezahlt wird.

Dabei gibt es gute Gründe für eine Approbationsausbildung für systemische Therapie, die wir für Sie zusammengefasst haben.

 

Welche Möglichkeiten es nach der Approbation für Psychotherapeut_innen gibt, darüber wird meist wenig gesprochen. Viele frisch Approbierte glauben, sie hätten mit der Approbation bereits den Kassensitz mit erworben. Laut Zahlen der Kassenärztlichen Bundesvereinigung und der Bundespsychotherapeutenkammer arbeiten aber über 40% (in einigen Bundesländern über 50%) der Psychotherapeut_innen nicht in eigener Kassenpraxis, sondern in Kliniken, Beratungsstellen und anderen Institutionen. Für diese Arbeitsgebiete ist eine sozialrechtliche Anerkennung („Systemische Therapie als Kassenleistung“) Systemischer Therapie nicht nötig, um als Systemische_r Psychotherapeut_in zu arbeiten.

Welche Voraussetzungen braucht es, damit ich eine Approbationsausbildung im Vertiefungsgebiet Systemische Therapie machen kann?

Die Voraussetzungen, um eine Approbationsausbildung zum_r Psychotherapeuten_in zu machen, sind gesetzlich für alle wissenschaftlich anerkannten Verfahren gleichermaßen geregelt. Als Voraussetzungen für die Ausbildung zum_r Psychologischen Psychotherapeuten_in ist ein Diplom in Psychologie nötig, für die Ausbildung zum_r Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten_in ein Diplom in Psychologie oder Pädagogik oder Sozialpädagogik.
Da das Psychotherapeutengesetz, das die Zugänge regelt, noch vor der Umstellung auf Bachelor/Master-Abschlüsse geschrieben wurde, bleibt es den jeweiligen Landesämtern vorbehalten, ob als Zugang ein Bachelor- oder Masterabschluss nötig ist. In den meisten Fällen wird aber ein Masterabschluss gefordert.

Wie lange dauert eine Approbationsausbildung in Systemischer Therapie?

Die Ausbildung muss laut Psychotherapeutengesetz mindestens drei Jahre dauern. Um die mindestens 4200 Stunden Ausbildung zu absolvieren, kann man aber eher mit einer mittleren Dauer von fünf Jahren rechnen.

Woraus setzt sich die Approbationsausbildung in Systemischer Therapie zusammen?

 

Wie in den anderen Verfahren setzt sich die Ausbildung folgendermaßen zusammen:

  • 600 Stunden Theorie
  • 1200 Stunden praktische Tätigkeit 1 in einer psychiatrischen Klinik
  • 600 Stunden praktische Tätigkeit 2 in einer psychosomatischen Klinik oder psychotherapeutischen Praxis
  • 120 Stunden Selbsterfahrung
  • 600 Stunden Praktische Ausbildung Patientenbehandlung in einer Instituts-Ambulanz oder Lehrpraxis
  • 150 Stunden Supervision
  • mindestens 930 Stunden „Freie Spitze“: die Inhalte werden vom Ausbildungsinstitut festgelegt

Wird es Übergangsregelungen geben, mit denen sich systemische Therapeut_innen für eine Approbation zum_r Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten_in bzw. Psychologischen Psychotherapeuten_in nachqualifizieren lassen können?

Es wird keine Übergangsregelungen geben, in denen nur noch einige wenige Stunden nachgemacht werden müssten. SG und DGSF setzen sich aber bereits dafür ein, dass Teile der Systemischen Weiterbildung für eine Approbationsausbildung anerkannt werden.

Falls in Zukunft Psychotherapeut_innen im Vertiefungsgebiet Systemische Therapie einen Kassensitz erhalten und mit den gesetzlichen Krankenversicherungen abrechnen können, wird es dann nicht eine große Konkurrenz zu den systemischen Therapeut_innen geben, die über die Heilpraktiker-Erlaubnis Systemische Therapie anbieten, die die Klient_innen selbst bezahlen?

Im Moment laufen deutschlandweit die allerersten Ausbildungskurse an, die zur Approbation im Vertiefungsgebiet Systemische Therapie führen. Bis eine flächendeckende Versorgung mit systemischen Kassentherapeut_innen gewährleistet sein wird, werden mehrere Jahrzehnte vergehen.
Es wird weiterhin in vielen Bereichen des Gesundheits- und Sozialwesen einen hohen Bedarf an systemischen Therapeut_innen und Berater_innen ohne Approbation geben.

Wird es weiterhin Weiterbildungen in Systemischer Therapie und Beratung geben, die nicht zur Approbation führen?

Auf jeden Fall. Es wird weiterhin einen großen Bedarf an systemischen Therapeut_innen und Berater_innen ohne Approbation im Gesundheits- und Sozialwesen geben.

Ändern sich für die nicht zur Approbation führenden Weiterbildungen die Zugangsvoraussetzungen?

Nein, sie bleiben unverändert. Voraussetzung ist der Abschluss in einem humanwissenschaftlichen Studium.

Letzte Aktualisierung: 19.04.2017