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FAQ zur Bewertung Systemischer Therapie durch den G-BA

Wer oder was ist der „G-BA“?

 

Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) ist das oberste Beschlussgremium der gemeinsamen Selbstverwaltung der Ärzt_innen, Zahnärzt_innen, Psychotherapeut_innen, Krankenhäuser und Krankenkassen in Deutschland. Er beschließt u.a., welche Leistungen von den gesetzlichen Krankenversicherungen bezahlt werden. Diese Leistungen sind im 5. Sozialgesetzbuch (SGB V) beschrieben.

Der G-BA wird durch die vier großen Spitzenorganisationen der Selbstverwaltung im deutschen Gesundheitswesen gebildet: der Kassenärztlichen und Kassenzahnärztlichen Bundesvereinigung, der Deutschen Krankenhausgesellschaft und dem GKV-Spitzenverband (der zentralen Vertretung der gesetzlichen Kranken- und Pflegekassen). Weiterhin sind im G-BA Patientenvertreterinnen und Patientenvertreter. Sie sind antrags- jedoch nicht stimmberechtigt und sind an allen Beratungen des G-BA beteiligt. Darüber hinaus arbeiten eine Reihe unparteiischer Hauptamtlicher im G-BA. Kommt es im Plenum zu Abstimmungen, sind die dreizehn Stimmen wie folgt verteilt: 3 Stimmen der G-BA Unparteiischen (Vorsitzende_r + zwei unparteiische Mitglieder), 5 Vertreter_innen des GKV Spitzenverbandes, 5 Vertreter_innen der drei Leistungserbringerinnen (Kassenärztliche Bundesvereinigung, Kassenzahnärztlichen Bundesvereinigung, Deutschen Krankenhausgesellschaft).

Was ist ein „Richtlinienverfahren“?

 

Der G-BA legt in der sogenannten Psychotherapie-Richtlinie fest, welche Psychotherapieverfahren als Leistung von den gesetzlichen Krankenversicherungen übernommen werden. In Deutschland sind das derzeit die Verhaltenstherapie, die tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie sowie die analytische Psychotherapie. Bei einer positiven Bewertung des G-BA würde auch die Systemische Therapie ein Richtlinienverfahren werden.

Was ist der Unterschied zwischen „berufsrechtlicher Anerkennung“ und „sozialrechtlicher Anerkennung“?

Die berufsrechtliche Anerkennung, die die Systemische Therapie bereits 2008 erhalten hat, bedeutet eine Einordnung nach dem Psychotherapeutengesetz durch den Wissenschaftlichen Beirat Psychotherapie. Eine Ausbildung zum_r Psychotherapeuten_in, an dessen Ende die Approbation als Psychologische_r Psychotherapeut_in bzw. Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut_in steht, kann nur in einem wissenschaftlich anerkannten Psychotherapieverfahren absolviert werden. Außer in den Richtlinienverfahren (s.o.) kann eine Ausbildung mit Approbation im Vertiefungsgebiet Systemische Therapie und Gesprächspsychotherapie absolviert werden. Es heißt „berufsrechtliche Anerkennung“, weil es den Zugang zum Beruf des_r Psychotherapeuten_in nach dem Psychotherapeutengesetz regelt. Es gibt bereits einige Institute, die Ausbildungen zum_r Psychotherapeuten_in im Vertiefungsbebiet Systemische Therapie anbieten.
Sozialrechtliche Anerkennung hingegen bedeutet die Aufnahme eines Psychotherapieverfahrens ins SGB V als Leistung gesetzlicher Krankenkassen und ist gleichbedeutend mit der Einstufung als Richtlinienverfahren. Diese sozialrechtliche Anerkennung wird für Systemische Therapie gerade vom G-BA geprüft.

Ich habe eine Systemische Weiterbildung absolviert und habe ein SG/DGSF – Zertifikat: Werde ich mit diesen Voraussetzungen nach einer möglichen positiven Bewertung Systemischer Therapie durch den G-BA meine Leistungen mit den gesetzlichen Krankenkassen abrechnen können?

Dazu kann man im Moment noch keine genauen Angaben machen. Da es im Moment noch wenige Kolleg_innen mit Approbation im Vertiefungsgebiet Systemische Therapie gibt, setzen wir uns dafür ein, dass Systemische Therapeut_innen (SG/DGSF) dem Gesundheitssystem zur Verfügung stehen können.

Ich bin Diplom-Psychologe_in, bzw. habe einen Master in Psychologie, habe eine Systemische Weiterbildung gemacht und ein SG/DGSF – Zertifikat. Werde ich dann nach einer möglichen sozialrechtlichen Anerkennung mit den gesetzlichen Krankenkassen abrechnen können?

Auch dazu können derzeit noch keine Angaben gemacht werden (siehe vorherige Antwort).

Welche Voraussetzungen braucht es, damit ich eine Approbationsausbildung im Vertiefungsgebiet Systemische Therapie machen kann?

 

Die Voraussetzungen, um eine Approbationsausbildung zum_r Psychotherapeuten_in zu machen, sind gesetzlich für alle wissenschaftlich anerkannten Verfahren gleichermaßen geregelt. Als Voraussetzungen für die Ausbildung zum_r Psychologischen Psychotherapeuten_in ist ein Diplom in Psychologie nötig, für die Ausbildung zum_r Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten_in ein Diplom in Psychologie oder Pädagogik oder Sozialpädagogik.
Da das Psychotherapeutengesetz, das die Zugänge regelt, noch vor der Umstellung auf Bachelor/Master-Abschlüsse geschrieben wurde, bleibt es den jeweiligen Landesämtern vorbehalten, ob als Zugang ein Bachelor- oder Masterabschluss nötig ist. In den meisten Fällen wird aber ein Masterabschluss gefordert.

Wie lange dauert eine Approbationsausbildung in Systemischer Therapie?

Die Ausbildung muss laut Psychotherapeutengesetz mindestens drei Jahre dauern. Um die mindestens 4200 Stunden Ausbildung zu absolvieren, kann man aber eher mit einer mittleren Dauer von fünf Jahren rechnen.

Woraus setzt sich die Approbationsausbildung in Systemischer Therapie zusammen?

Wie in den anderen Verfahren setzt sich die Ausbildung folgendermaßen zusammen:

  • 600 Stunden Theorie
  • 1200 Stunden praktische Tätigkeit 1 in einer psychiatrischen Klinik
  • 600 Stunden praktische Tätigkeit 2 in einer psychosomatischen Klinik oder psychotherapeutischen Praxis
  • 120 Stunden Selbsterfahrung
  • 600 Stunden Praktische Ausbildung Patientenbehandlung in einer Instituts-Ambulanz oder Lehrpraxis
  • 150 Stunden Supervision
  • mindestens 930 Stunden „Freie Spitze“: die Inhalte werden vom Ausbildungsinstitut festgelegt

 

Wird es Übergangsregelungen geben, mit denen sich systemische Therapeut_innen für eine Approbation zum_r Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten_in bzw. Psychologischen Psychotherapeuten_in nachqualifizieren lassen können?

Es wird keine Übergangsregelungen geben, in denen nur noch einige wenige Stunden nachgemacht werden müssten. SG und DGSF setzen sich aber bereits dafür ein, dass Teile der Systemischen Weiterbildung für eine Approbationsausbildung anerkannt werden.

Das Bewertungsverfahren des G-BA prüft Systemische Therapie für Erwachsene. Was ist mit Systemischer Therapie für Kinder und Jugendliche?

Höchstwahrscheinlich wird auch dieser Prüfungsantrag gestellt werden. Ein genauer Zeitpunkt kann aber noch nicht genannt werden, da der Antrag wiederum nur von den Vertreter_innen der Spitzenverbände im G-BA bzw. den Hauptamtlichen des G-BA selbst gestellt werden kann. Wir rechnen aber damit, dass die Bewertung auch für den Bereich von Kindern- und Jugendlichen bald beginnen wird.

Innerhalb welcher Zeit kann man mit einer Entscheidung des G-BA für die Bewertung Systemischer Therapie für Erwachsene rechnen?

 

Die Dauer der Bewertung hängt von vielen Faktoren ab und ist somit schwer bestimmbar. Wir hoffen, dass die Prüfung innerhalb weniger Jahre abgeschlossen sein wird.

Und für den Kinder- und Jugendlichenbereich?

Da hier der Antrag zur Bewertung Systemischer Therapie noch nicht gestellt wurde, lässt sich dazu im Moment noch nichts sagen.

Wie kann man sich das Gutachterverfahren vorstellen, das vermutlich kommen würde, wenn systemische Therapie Kassenleistung würde?

Das wird nach der möglichen G-BA-Anerkennung im Rahmen der dann zu erstellenden Richtlinien Systemische Therapie neu zu regeln sein und kann derzeit noch nicht vorausgesagt werden.

Wie viele Stunden würden für eine Kurz- bzw. Langzeittherapie in systemischer Therapie von den gesetzlichen Krankenversicherungen genehmigt werden?

Siehe vorherige Antwort: Die von den gesetzlichen Kassenkassen finanzierten Therapiekontingente werden erst nach der G-BA Anerkennung in dann neu zu erstellenden Richtlinien geregelt werden.

Falls in Zukunft Psychotherapeut_innen im Vertiefungsgebiet Systemische Therapie einen Kassensitz erhalten und mit den gesetzlichen Krankenversicherungen abrechnen können, wird es dann nicht eine große Konkurrenz zu den systemischen Therapeut_innen geben, die über die Heilpraktiker-Erlaubnis Systemische Therapie anbieten, die die Klient_innen selbst bezahlen?

Im Moment laufen deutschlandweit die allerersten Ausbildungskurse an, die zur Approbation im Vertiefungsgebiet Systemische Therapie führen. Bis eine flächendeckende Versorgung mit systemischen Kassentherapeut_innen gewährleistet sein wird, werden mehrere Jahrzehnte vergehen.
Es wird weiterhin in vielen Bereichen des Gesundheits- und Sozialwesen einen hohen Bedarf an systemischen Therapeut_innen und Berater_innen ohne Approbation geben.

Wird es weiterhin Weiterbildungen in Systemischer Therapie und Beratung geben, die nicht zur Approbation führen?

Auf jeden Fall. Es wird weiterhin einen großen Bedarf an systemischen Therapeut_innen und Berater_innen ohne Approbation im Gesundheits- und Sozialwesen geben.

Ändern sich für die nicht zur Approbation führenden Weiterbildungen die Zugangsvoraussetzungen?

Nein, sie bleiben unverändert. Voraussetzung ist der Abschluss in einem humanwissenschaftlichen Studium.

Letzte Aktualisierung: 07.07.2015