Menü Suche

Systemische Therapie für Erwachsene wird Kassenleistung!

Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) hat in seiner Sitzung am 22.11.2018 entschieden, dass Systemische Therapie für Erwachsene zukünftig von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen wird. Zunächst wird dafür im Unterausschuss Psychotherapie des G-BA die Psychotherapie-Richtlinie angepasst. Letztmalig wurde 1987 mit der Verhaltenstherapie ein neues Verfahren in die Erstattungsfähigkeit aufgenommen. Auf dieser Seite erhalten Sie eine Übersicht mit allen öffentlich zugänglichen Unterlagen zur sozialrechtlichen Anerkennung Systemischer Therapie.

Der Gesetzgeber überlässt es der Selbstverwaltung, d.h. den Interessenvertretern der Krankenkassen, Krankenhäuser, Ärzten und Psychotherapeuten, welche Gesundheitsleistungen die gesetzlich Versicherten erhalten. Im Bereich der Psychotherapie standen den Versicherten bislang drei Verfahren aus zwei Grundorientierungen zur Verfügung: Verhaltenstherapie sowie die zwei psychodynamischen Verfahren tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie und analytische Psychotherapie.

Mit dem Beschluss vom 22.11.2018 wurde nur über die Zulassung Systemischer Therapie für Erwachsene entschieden. Für Systemische Therapie für Kinder- und Jugendliche, die sicherlich eine noch größere Versorgungsrelevanz hat, steht der Antrag des G-BA auf Überprüfung noch aus.

Über die Vorteile Systemischer Psychotherapie für Patient_innen und Krankenkassen können Sie sich hier informieren:

Die bisherigen Schritte auf dem langen Weg zum Richtlinienverfahren

Eine kurze Zusammenfassung

Der Anerkennungsprozess kann grob in drei Teile gegliedert werden:

  • Vorbereitung und Antragstellung im G-BA, Stellungnahmeverfahren
  • Nutzenbewertung Systemischer Therapie nach den Prinzipien der evidenzbasierten Medizin durch das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG)
  • Abschließende Beratung und Entscheidung im G-BA

1 Vorbereitung und Antragstellung im G-BA, Stellungnahmeverfahren

Nach jahrelangem Warten (2009-2013) war es im März 2013 das unparteiische Mitglied Dr. Harald Deisler selbst, der den von SG und DGSF lang ersehnten Antrag auf Überprüfung Systemischer Therapie stellte. Beim anschließenden Stellungnahmeverfahren äußerten sich eine ganze Reihe von psychotherapeutischen Fach- und Berufsverbänden, Kliniken, Psychotherapeutenkammern und Einrichtungen. Die einhellige Botschaft: Die Kassenanerkennung Systemischer Therapie ist längst überfällig! Lesen Sie hier die wichtigsten Stellungnahmen im Wortlaut.

2 Erstellung einer Entscheidungsvorlage für den G-BA: Nutzenbewertung Systemischer Therapie nach den Prinzipien der evidenzbasierten Medizin durch das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG)

Im August 2014 wurde das IQWiG damit beauftragt, in einer detaillierten Studienrecherche einzuschätzen, für welche Störungsbereiche Systemische Therapie ihren Nutzen unter Beweis stellen konnte. Nach einer enormen Leistung (Sichtung von über 3000 Studien im Volltext) und der bislang umfassendsten Untersuchung zu Systemischer Therapie gab das IQWiG im Mai 2017 seinen Abschlussbericht an den G-BA und veröffentlichte zwei Monate später für alle seine Ergebnisse: In sieben Diagnosegruppen fand das IQWiG Evidenz für einen Nutzen Systemischer Therapie.

Die beiden Diagnosegruppen „Angst- und Zwangsstörungen“ sowie „Affektive Störungen“ sind dabei besonders wichtig, weil kein Psychotherapieverfahren neu zugelassen werden darf, ohne einen Nutzen in der Behandlung dieser besonders häufigen Diagnosen zu zeigen. In beiden Gruppen stellte das IQWiG die Wirksamkeit Systemischer Therapie fest.

3 Abschließende Beratung und Entscheidung im G-BA

Nach den geheimen Beratungen im G-BA über den IQWiG-Bericht wurde eine Abstimmungsvorlage in das Plenum eingebracht und darüber am 22.11.2018 entscheiden.

Nun wird die Psychotherapie-Richtlinie im Unterausschuss des G-BA angepasst. Bis die erste Systemische Therapie von Versicherten der gesetzlichen Krankenversicherungen in Anspruch genommen und erstattet werden kann, wird es noch ein wenig Zeit beanspruchen, da im Nachgang des G-BA Prozesses die Psychotherapie-Vereinbarung angepasst und Abrechnungsziffern des Einheitlichen Bewertungsmaßstabes (EBM) geschaffen werden.

Erstes Stellungnahmeverfahren des G-BA 2014

Wie in der Verfahrensordnung des G-BA vorgesehen, erhielten interessierte Fachleute Anfang 2014 die Möglichkeit, mit eigenen Kenntnissen über Wirksamkeitsstudien, Kosten-Nutzen-Analysen und zur Definition und beinhalteten Methoden Systemischer Therapie Stellung zu nehmen.

Hier finden Sie die prägnantesten Stellungnahmen von psychotherapeutischen Verbänden und Kliniken. Es ist bemerkenswert, dass alle Verbände/Kammern/Kliniken in ihren Stellungnahmen die sozialrechtliche Anerkennung Systemischer Therapie befürworten:

Was bedeutet die sozialrechtlichen Anerkennung für mich als Systemische_r Therapeut_in?

Was ist der Unterschied zwischen berufsrechtlicher und sozialrechtlicher Anerkennung? Was bedeutet das für mich als systemische_r Therapeut_in? Wie kann ich eine Approbation in Systemischer Therapie erhalten? …

Hier finden Sie die häufigsten Fragen und Antworten zum Verfahren und möglichen Konsequenzen einer sozialrechtlichen Anerkennung Systemischer Therapie:

> zu den FAQ

> Über die Anerkennung systemischer Qualifikationen auf Approbationsausbildungen, Familiendynamik 4/2018

Letzte Aktualisierung: 21.03.2019