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Psychosoziale Prozessbegleitung

Eine neue Aufgabe

Die „Psychosoziale Prozessbegleitung im Strafverfahren“ bildet ein erst Ende 2015 definiertes Aufgaben-, Berufs- und Arbeitsfeld. Sie dient dem aktiven Opferschutz bei strafrechtlichen Ermittlungen und Strafprozessen.

Die Beiordnung eines psychosozialen Prozessbegleiters / einer  psychosozialen Prozessbegleiterin stellt für die betroffenen Opfer bei bestimmten Strafprozessen nunmehr  einen Rechtsanspruch dar, der zum 1. Januar 2017 in Kraft tritt. Daraus entsteht ein erheblicher Bedarf an dieser beruflichen Qualifizierung, deren Inanspruchnahme für die betroffenen Opfer kostenfrei ist und die von den Gerichten auf gesetzlicher Basis vergütet wird. Das bietet ein spannendes und zukunftsweisendes Tätigkeitsfeld für Systemische Coaches, Mediator_innen und andere Professionen aus dem psychosozialen Kontext, die eine verantwortungsvolle und umfassende Aufgabe zum Opferschutz übernehmen möchten.

Hohe Anforderungen

An die Professionalität dieser Arbeit werden von den Justizministerien, Gerichten und Staatsanwaltschaften hohe Ansprüche gestellt. Das spiegelt sich sowohl in den Zulassungskriterien für die Weiterbildung, als auch in den erforderlichen theoretischen und praktischen Inhalten wider. Im Mittelpunkt stehen die professionelle Begleitung und vorbeugende sowie nachsorgende Unterstützung von Opfern sowohl während der Phase der strafrechtlichen Ermittlungen als auch während der gerichtlichen Verhandlungen.

Wesentliches Ziel ist es, die Opfer gegen (Re-) Traumatisierungen und das Abgleiten in eine persistierende „Opfer-Identität“ mit ihren zahlreichen sozialen und gesundheitlichen Risiken („sekundäre Viktimisierung“) zu schützen. Um die Professionalität dieser Arbeit zu gewährleisten, stehen der versierte Umgang mit lösungs-, ressourcen- und entwicklungsorientierten Ansätzen im Vordergrund sowie mediative Verfahren im Sinn des Täter-Opfer-Ausgleichs. Im Hinblick auf die Ermittlungen sind psychosoziale Prozessbegleitende strikt der Neutralität verpflichtet.

Klar definierte Kriterien

Um zur Weiterbildung zugelassen zu werden, ist ein Studium der Psychologie, Pädagogik oder Sozialpädagogik (Uni oder FH) und berufliche Erfahrung, beziehungsweise eine vergleichbare berufliche Weiterbildung und Tätigkeit erforderlich.

Das Weiterbildungsprogramm ist interdisziplinär ausgerichtet. Es widmet sich den rechtlichen Grundlagen, dem sicheren Umgang mit weiteren Akteuren im Rechtssystem, der Viktimologie, der Bewertung von Täter-Opfer-Systemen, der Qualitätssicherung und der Eigenvorsorge. Weitere Schwerpunkte sind die Psychotraumatologie und posttraumatische Resilienz sowie sozialpsychologische, kommunikative, neurobiologische, entwicklungs- und klinisch-psychologische Grundlagen. Darüber hinaus setzt sich die Weiterbildung mit den besonderen Anforderungen der Vor- und Nachbetreuung von Opfern auseinander, als auch mit den Aufgaben der psychosozialen Unterstützung bei der Hauptverhandlung.

Anerkennung durch die Justizministerien der Ländern

Die zertifizierte Weiterbildung zum Psychosozialen Prozessbegleiter umfasst insgesamt 160 Stunden (4 Blöcke a‘ 3 Tage sowie eine zweitägige Supervision, Intervisionen und eigenständige Fallarbeiten mit Kolloquium und Praxis-Evaluation) und kostet 4200 Euro. Sie berechtigt zur Tätigkeit als Psychosoziale Prozessbegleiterin / Psychosozialer Prozessbegleiter in Strafverfahren. Regelmäßige Fortbildungen können im Rahmen von jährlichen Zusatzveranstaltungen abgedeckt werden.

SG-Institute bieten die Weiterbildung an

Einige SG-Institute bieten Weiterbildungen an, die die gesetzlichen Anforderungen erfüllen und die psychosoziale Prozessbegleitung mit einer systemischen Qualifizierung verbinden, da auch in diesem Feld die systemische Herangehensweise überaus hilfreich für die Güte der Arbeit ist.

Für weitere Informationen

Anfragen an Dr. Raimund Schwendner, SG-Vorstandsbeauftragter für Psychosoziale Prozessbegleitung: schwendner |at| istob-aka.de

Diese SG-Institute bieten entsprechende Weiterbildungen an:

Weitere SG-Institute, die in Vorbereitung sind:

Letzte Aktualisierung: 20.10.2016